Du denkst ich schreibe den tausendsten Artikel über die bedürfnisorientierte Elternschaft, das tue ich nicht. Ich werde dir hier nicht erklären, wie du deine bedürfnisorientierte Elternschaft leben kannst, ich erkläre dir vielmehr, dass du deine Bedürfnisse wieder wahrnehmen solltest. Nimm dein Mama-Leben in die Hand und genieße es.

Ich sitze mit meinen Freundinnen zusammen, alle in unterschiedlichen Lebensphasen: ein paar frisch gebackene Mamas, einige mit drei Kindern, und wiederum andere mit Kindern im Teenageralter. Einer der Söhne meiner Freundin hat gerade seinen 18. Geburtstag gefeiert. Das, was alle verbindet, ist die Suche nach sich selbst. Alle haben den Wunsch sich mehr zu spüren, mehr (finanzielle) Freiheit zu haben, wieder mehr auf sich zu achten, sich selbst zu verwirklichen. Alle suchen die Antwort auf die Frage "wer bin ich, wenn ich nicht Mama bin?" Und unweigerlich kommen wir immer wieder auf die eigenen Bedürfnisse zu sprechen. Was will ich und was brauche ich?

Komischerweise scheint es mit den eigenen Ansprüchen zu kollidieren, sich um seine Bedürfnisse Gedanken zu machen. Wer hat uns beigebracht, dass wir nur dann eine "gute Mutter" sind, wenn wir uns quasi aufopfern? Wenn wir uns ganz unten auf die Prioritätenliste setzen, dann ist die Katastrophe doch vorprogrammiert. Tatsächlich wissen wir das. Es ändert aber nichts daran, dass wir es trotzdem tun. Bis wir eines Tages wieder um 00.30Uhr im Bett liegen, uns fragen, warum es schon wieder so spät ist und was wir eigentlich den ganzen Tag gemacht haben. Dann kommt irgendwann dieser Gedanke, der uns nicht mehr loslässt "was mache ich hier eigentlich?" Und das ist der Moment, in dem wir die pure Erschöpfung nicht mehr ertragen können und wir wissen: Ich ändere jetzt etwas, oder ich verliere mich hier.

Nicht selten passiert es, dass die Abwärtsspirale überhand nimmt und wir an uns zweifeln: "warum schaffe ich das nicht?", "andere schaffen doch auch alles"... Die Wahrheit ist: keiner schafft es jeden Tag gut. Es gibt Phasen. Gute und schlechte, die kennen wir alle. Ich würde behaupten, dass ausnahmslos alle in der Zeit des Mama-Daseins strugglen. Schließlich ist es ein ständiges ausprobieren von Strategien, ein Anpassen und Loslassen.

Was uns keiner beigebracht hat ist, einen Alltag so zu gestalten, dass er für uns als Mutter passt.
In der Regel haben wir unseren Tag so geplant, dass wir alles schaffen.
Dass wir alles unter einen Hut bekommen und an alles denken, dass wir alles allein schaffen können. Die Kinder bei ihren Hobbies und Terminen rechtzeitig ankommen. Und dann, irgendwann, wundern wir uns, dass wir nicht mehr können.

Wenn wir aber das Momentum für uns nutzen und endlich anfangen zu realisieren "ich bin verdammt noch mal wichtig", dann stehen wir am nächsten Morgen auf, melden uns zur Not bei der Arbeit krank und machen uns einen Lebensplan. Dann binden wir die Haare zum Dutt, sagen Verabredungen ab und verschieben Termine. Dann horchen wir in uns hinein und warten (un)geduldig. Bis die innere Stimme sich laut genug meldet und sagt, was sie braucht. Spiel, Spaß und Spannung. Wie jedes Menschenkind, das wissen wir noch aus der Werbung der 90er.

Es wird klar: Wenn ich keinen Spaß am Mama-sein habe, dann wird jeder Tag zäh, wie Kaugummi. Wenn ich den Spaß wiederentdecke, dann bin ich frei. Also gestalte ich ab jetzt mein Leben, anstatt es nur abzuleben.
Gestaltung ist so farbenfroh wie du es brauchst und kann jeden Tag anders aussehen.

Und ich höre schon die ersten Eltern, die sagen "aber das kann ich ja nicht einfach machen, es gibt ja auch noch die Bedürfnisse der Kinder und des Partners" und ich antworte: "Ja."

Ja, die Bedürfnisse gibt es, die dürfen sein und wenn meine Bedürfnisse erfüllt sind, dann ist es ein Leichtes für mich die der anderen zu erfüllen. und ganz vielleicht habe ich die Erfahrung gemacht, dass es klappt. Dass sich die Bedürfnisse mit der Zeit sogar angleichen und jeder ein paar Kompromisse gern eingeht. Solange die Basis stimmt.

Fang an das Elternsein zu genießen. Denn nur so klappt diese Bedürfnisorientierte Welt, in die du dich gestürzt hast. Miteinander und nicht gegeneinander.

Deine Jill