„Mami, du bist im Herzen bunt.“

Das hat mein Sohn gesagt, als er mir sein Bild gezeigt hat.
Beim Geburtstagsfest des ELTERN Magazins gab es ein Live-Painting mit dem Motto „Paint your parents“. Die Kinder durften uns malen.

Ich habe lange auf sein Bild geschaut. Er hat nicht gemalt, wie ich an diesem Tag aussah. Er hat gemalt, wie er mich fühlt. Bunt.

Ich würde gern behaupten, ich hätte einfach nur gerührt dagestanden. Aber dann kam dieser Gedanke:
Bin ich das auch an den Tagen, an denen ich laut bin? An denen ich genervt bin, ungeduldig oder mit meinen Gedanken ganz woanders? An denen ich nicht die Mama bin, die ich eigentlich sein möchte?

Vielleicht kennst du diese Gedanken.

Wir wünschen uns, dass unsere Kinder sich bedingungslos geliebt fühlen. Dass sie wissen, dass sie richtig sind, auch wenn sie wütend sind. Dass sie Fehler machen dürfen. Dass sie nicht funktionieren müssen, um geliebt zu werden. Wir wollen ihnen zeigen, dass ihre Gefühle willkommen sind. Dass sie nicht immer lieb, vernünftig oder kooperativ sein müssen, um wertvoll zu sein.

Und dann liegen wir selber abends im Bett und denken an den Moment zurück, in dem wir laut geworden sind. An unsere Ungeduld. An die Situation, in der wir eigentlich anders reagieren wollten.

Wir wünschen uns, dass unsere Kinder wissen, dass sie bedingungslos geliebt sind. Aber wie oft machen wir unsere eigene Liebenswürdigkeit davon abhängig, wie gut wir unseren Alltag gemeistert haben?
Wie oft glauben wir, erst geduldiger, gelassener oder verständnisvoller werden zu müssen, bevor wir mit uns **selbst zufrieden** sein dürfen?

Dabei ist bedingungslose Liebe doch genau das: Du musst nichts leisten, um liebenswert zu sein. Du musst nicht immer funktionieren. Du musst nicht immer die beste Version deiner selbst sein.

Du darfst wütend und erschöpft sein. Du darfst Fehler machen.

Das Bild meines Sohnes ist deshalb so besonders, weil er nicht den einen Moment gemalt hat, in dem wir freudig auf der Party gemeinsame Zeit verbracht haben, er hat mich mit meinem Lachen und meiner Erschöpfung, mit meiner Begeisterung und meinen Grenzen, mit meinen starken Gefühlen und meinem Quatschkopf-Dasein gemalt. Mit all meinen Farben. Und ja, ich bin auch an den Tagen bunt, an denen ich nicht die Mama bin, die ich eigentlich sein möchte.

Vielleicht können unsere Kinder uns dabei helfen, etwas wiederzuerkennen, das wir selbst manchmal vergessen:

Dass wir mehr sind als der Tonfall, den wir gerade hatten oder die Entscheidung, die wir bereuen. Dass Liebe größer ist als ein schwieriger Moment.

Natürlich macht es einen Unterschied, wie wir mit unseren Kindern umgehen. Unsere Worte können verletzen. Unser Verhalten kann verunsichern. Und wenn wir über unsere Grenzen gehen, ist es unsere Verantwortung, hinzuschauen, uns zu entschuldigen und wieder Verbindung herzustellen.

Wir dürfen etwas verändern wollen, ohne uns einzureden, dass wir erst dann gut genug sind. Wir dürfen uns entschuldigen, ohne uns selbst zu verurteilen. Und wir dürfen wachsen, ohne uns dafür erst einmal kleinmachen zu müssen.

Denn Veränderung beginnt nicht damit, dass wir uns selbst nicht mehr aushalten. Sie beginnt dort, wo wir uns selbst mit all unseren Farben sehen können.

Heute Abend musst du also nicht überlegen, wie du morgen eine bessere Mama wirst.

Du schaust erst einmal liebevoll auf die Mama, die du heute warst.
Auf das, was dir gelungen ist. Auf das, was schwer war. Auf die Momente, in denen du über dich hinausgewachsen bist, und auf die, in denen du deine Grenzen gespürt hast.

Du darfst daraus lernen. Du darfst etwas verändern.

Denn du bist nicht nur die Mama, die manchmal laut wird.
Du bist auch die, die tröstet. Die lacht. Die zuhört. Die es immer wieder versucht.
Die ihre Kinder liebt und jeden Tag dazulernt.

Du bist all das.

Du bist bunt.